Grundlagen (1)

(Siehe auch das E- Book „Devisen Trading Grundkenntnisse„)

Der Devisenmarkt (genannt Foreign Exchange, Forex oder FX) ist der größte und liquideste Markt der Welt, mit einem täglichen Umsatz von über 4000 Mrd. US$. Die Güter, die an diesem Markt gehandelt werden, sind die amtlichen Währungen verschiedener Länder, z.B. USD, EUR, GBP; CAD, JPY usw., die sogenannten “Devisen”.

Devisen werden mit Kürzeln bezeichnet, deren ersten 2 Stellen sich auf den Namen des Landes und deren 3. Stelle auf den Namen der Währung beziehen; so heißt JPY Japan-Yen, und USD ist die Bezeichnung für US-Dollar; der Euro wird einfach als EUR bezeichnet.

Anders als der Aktienmarkt ist der Devisenmarkt nicht an einer bestimmten Börse gebunden. Es ist vielmehr ein weltweites Netz elektronischer Kontakte, die permanent zwischen Devisenhändlern, die hauptsächlich für institutionelle Anleger und Banken tätig sind, stattfinden.

Da sich der Wert einer Devise hauptsächlich im Vergleich zu einer anderen Devise definiert, werden Devisen gegeneinander gehandelt, z.B. EUR gegen USD, GBP gegen JPY oder GBP gegen USD. Diese Handelsrichtungen nennen sich “Devisenpaare”. Auf dem Devisenmarkt werden Devisen immer gegen andere Devisen ge- und verkauft. Heutzutage wird meistens der Dollar als Referenzdevise verwendet, man kann jedoch alle möglichen Devisenpaare an der Forex handeln. Wenn Sie eine bestimmte Menge von EUR/USD kaufen, bedeutet dies, dass Sie EUR kaufen und USD verkaufen.

Devisenpaare werden mit den Kürzeln der zwei Devisen, getrennt durch einen Schrägstrich, bezeichnet.

So ist EUR/USD die Bezeichnung für das Devisenpaar Euro gegen US-Dollar.

Der Devisenhandel fängt Sonntag um 23. Uhr MEZ in Sydney an und hört um 23. Uhr MEZ in New York auf. In dieser Zeit läuft er rund um die Uhr. Jedoch sind die aktivsten Zeiten die London-Session (8 – 11 Uhr MEZ) und die New York-Session (14 – 18 Uhr MEZ).

Der Devisenhandel wird von Banken, Zentralbanken, Regierungen, Fonds, mit dem Ausland handelnden Firmen sowie von institutionellen und individuellen Investoren aus mehreren Gründen betrieben. USD muss man z.B. kaufen, um Rohöl zu bezahlen. Oder um Devisenreserven zu bilden. Exportorientierte Firmen kaufen Devisen, um den Verkaufspreis ihrer Waren gegen Schwankungen des Wertes der Devise des kaufenden Landes abzusichern (sog. “hedgen”).

Als Devisenhändler treten auch Zentralbanken auf. Und schließlich werden Devisen von Investoren zur langfristigen Depotabsicherung oder zu reinen Spekulationszwecken gehandelt.

Beim Devisenhandel zu Spekulationszwecken versucht man, an den erheblichen Schwankungen zu verdienen, denen Devisenkurse zueinander sowohl langfristig als auch kurzfristig ausgesetzt sind. Die Schwankungen sind zwar erheblich, finden aber normalerweise im Bereich der 2. bis 4. Dezimalstelle hinter dem Komma statt. Z.B. kann der Wert von EUR/USD an einem Tag von 1,2904 bis 1,3010 schwanken. Da die 4. Stelle hinter dem Komma als “Pip” bezeichnet wird, handelt es sich in dem Beispiel um eine Schwankung um 106 Pips.

Pips sind die letzten Stellen der Kursnotierung eines Devisenpaares. Da bei den meisten Devisenpaaren die Kursnotierung vierstellig ist (z.B. Euro gegen US-Dollar), handelt es sich meistens um die letzten 3 Stellen nach dem Komma. Bei den Devisenpaaren, die nur auf zwei Stellen nach dem Komma notiert werden (z.B. US-Dollar gegen Yen), wird auch die erste Stelle vor dem Komma gezählt.

Verändert sich z.B. der Kurs von EUR/USD von 1,3645 auf 1,3665, so ist der Kurs um 20 Pips gestiegen. Verändert sich der Kurs von USD/JPY von 90,32 auf 91,02, beträgt der Anstieg dieses Devisenpaares 70 Pips.

Leverage und Margin

Um einen nennenswerten Gewinn aus einer Schwankung von 20 Pips zu ziehen, wäre der Einsatz von viel Kapital nötig. In dem oben genannten Beispiel mit EUR/USD müsste man 100.00 € einsetzen, um ca. 14 € zu verdienen.
Da aber eine plötzliche Schwankung im Bereich der 1. Dezimalstelle sehr unwahrscheinlich ist, gestatten die Forex Broker den Investoren, mit dem “Leverage” zu arbeiten.

Leverage ist die Hebelwirkung, die dadurch entsteht, dass man nur einen Bruchteil (meistens 1 %) des benötigten Kapitals ein-setzen muss.
Dieser Kapitalbruchteil nennt sich „Margin“ und wird oft als Sicherheitsleistung definiert, die man hinterlegt, um mit dem hundertfachen Kapital auf dem Devisenmarkt zu handeln.
Die Definition der Margin als Sicherheitsleistung ist zwar theore-tisch richtig, aber praktisch irreführend. Es wird oft geschrieben, dass dadurch das Handeln auf dem Devisenmarkt durch „geliehenes Geld“ erfolgt. Dies stimmt auf keinen Fall, vor allem bei Kleinanlegern. Das Handeln aufgrund einer Margin ist nur deswegen möglich, weil sich Devisenkurse meisten nur im Bereich der letzten Dezimalstellen verändern. Eine plötzliche Kursschwankung im Bereich vor dem Komma ist sehr unwahrscheinlich. Durch das Handeln auf Margin ermöglicht Ihnen der Forex Broker, auf eine Veränderung des Devisenkurses im Bereich der letzten Dezimalstellen zu setzen. Ihnen wird kein Geld geliehen.

Deswegen ist die Margin in der Tat keine Sicherheitsleistung für ein gehebeltes Kapital, sondern ist das eingesetzte Kapital.
Gewinne und Verluste berechnen sich dann auf der Basis eines Betrages, der sich auf das hundertfache des eingesetzten Kapitals beläuft. Dadurch wird das eingesetzte Kapital sozusagen „gehebelt“.

Die Hebelwirkung (Leverage) ist ein Vorteil des Devisenhandels, aber auch ein Risiko. Die Verluste kumulieren sich so schnell wie die Gewinne. Jedoch können Sie beim Devisenhandel höchstens das eingesetzte Kapital verlieren. Sobald Ihre Verluste so hoch sind, dass die Margin unterschritten wird, werden die Positionen von Ihrem Broker automatisch verkauft. Das nennt sich “Margin Call” und verhindert, dass die Verluste Ihren Kontostand ins Minus drücken.

Werden die Positionen wegen Unterschreitung der Margin automatisch geschlossen, bleibt immer noch der für die Margin eingesetzten Betrag auf dem Konto. Im ungünstigsten Fall (z.B. bei einer plötzlichen Marktbewegung infolge einer sehr schlechten Nachricht) können noch Kosten durch den ungünstigen Verkauf der Position entstehen, die den Kontostand bis auf null drücken können.

Ein negativer Kontostand wird von den meisten Brokern im Falle von Normalkunden nicht geduldet. Dies ist ein Vorteil und bietet einen gewissen Schutz gegen völlig unvorhersehbare Marktbewegungen (wie z.B. beim Attentat am World Trade Center).

Falls Sie jedoch zu den Großkunden gehören, die mit einem Kapital ab 100.000, € handeln, ist es möglich, dass Ihr Forex Broker einen negativen Kontostand zulässt. In dem Fall müssen Sie mit Hilfe von Stopp-Loss selbst dafür sorgen, dass Ihr Konto nicht ins Minus rutscht.

Lot

Die kleinste ungehebelte Menge, der bei einem Devisenpaar handelbar ist, nennt sich „Lot“.

Bei dem Devisenpaar EUR/USD entspricht 1 Lot einem Betrag von 100000,- $.

Bei den meisten Brokern ist es jedoch möglich, mit kleineren Mengen zu handeln, die sich MiniLot nennen.

Bei dem Devisenpaar EUR/USD entspricht 1 MiniLot einem Betrag von 10000,- $

Bei den meisten Brokern können Sie auch MicroLot von 1000,- $ handeln.

Um 1 Lot oder 1 MiniLot zu handeln, ist bei den meisten Brokern eine Margin von 1 % erforderlich. Mittlerweile werden jedoch auch niedrigere Marginsätze angeboten. Diese beinhalten jedoch ein höheres Risiko.

Bei einer Margin von 1 % bemötigen Sie 100, $ um 1 MiniLot (10000 $) EUR/USD zu handeln.

Falls Sie mit einem geringen Kapitaleinsatz handeln möchten (was möglich und am Anfang auch sinnvoll ist), benötigen Sie einen Broker, der das Handeln mit MicroLot erlaubt. Dieser Punkt ist für die Wahl des geeigneten Brokers wichtig.

Es ist auch darauf zu achten, dass keine Kommissionen beim Unterschreiten einer gewissen Handelsmenge erhoben werden. Manche Broker verlangen z.B. eine zusätzliche Gebühr (Kommission) für das Handeln von MiniLots. Lesen Sie also die allgemeinen Geschäftsbedingungen und die Preisliste des gewünschten Brokers genau durch, bevor Sie ein Konto eröffnen.

Long / Short

Beim Devisentrading vermeidet man in der Fachsprache die Begriffe “Kaufen” und “Verkaufen”, weil diese nicht eindeutig sind. Beim “Kauf” einer EUR/USD Position werden zwar Euros gekauft, jedoch gleichzeitig US-Dollars verkauft.

Dies muss man sich wie eine Art Tauschhandel vorstellen. Beim Kauf von EUR/USD werden Euros gegen Dollars getauscht.

Um Verwirrungen zu vermeiden, bezeichnet man das Kaufen eines Devisenpaars als “long gehen”, während beim Verkaufen von “short gehen” die Rede ist.

Eine Kaufposition nennt sich dann Long-Position. Dabei wird auf den steigenden Kurs der an erster Stelle stehender Devise gesetzt (z.B. auf EUR bei EUR/USD).

Eine Verkaufsposition nennt sich Short-Position. Dabei wird auf den fallenden Kurs der an erster Stelle stehender Devise gesetzt.

Aus demselben Grund wird das Schließen einer Position als “Glattstellen” bezeichnet.

Bei den meisten deutschsprachigen Tradingsplattformen werden die Long- und Short-Order mit “Kauf” und “Verkauf” gekennzeichnet.