Forex Broker Praktiken: Was jeder Trader wissen sollte

Viele Trader glauben, ein Forex Broker wäre so etwas wie eine Bank, und ein Tradingskonto so etwas wie ein Girokonto, auf dem nach jedem Trade ein Guthaben oder eine Belastung gebucht werden.

Die Wahrheit sieht anders aus, auch bei seriösen Brokern. Über die übliche Handhabung von Kundengeldern durch Forex Broker und die damit verbundenen Risiken sollte jeder Kunde Bescheid wissen.

Forex : kein richtiger Markt

Anders als der Aktienhandel, der sich auf geregelten und zentralisierten Börsenplätzen abspielt, erfolgt der Forex Handel nicht auf organisierten Handelsplätzen.

In der Tat handelt jeder einzelne Forex Trader nicht mit real existierenden Gegenparteien, sondern mit dem Forex Broker selbst.

Die meisten Forex Broker bieten Tradings-Plattformen an, auf denen sie Devisenkurse selbst einstellen (z.B. MetaTrader). Diese Broker nennen sich Market Maker.

Es gibt auch Broker oder Kontenmodelle, die das Handeln in einem Marktumfeld anbieten. Diese nennen sich ECN oder STP Broker. Leider stimmt dies in manchen Fällen nicht wirklich. Oft vewerden sogenannten ECN- oder STP-Broker eigene Offshore-Tochtergesellschaften als Gegenparteien für den Handel mit den Kunden.

Die Plattform, auf der Forex Broker Devisenkurse anbieten, lässt sich leicht manipulieren. Es ist möglich, plötzliche Kurssprünge einzustellen, oder sogar Kurse für einzelne Kundengruppen. Schon die Erweiterung des Spreads (z.B. während der Veröffentlichung von Nachrichten oder beim Handelsschluss) ist eine Form von Manipulation.

Dank dieser technischen Möglichkeiten ist der Trader in der Praxis auf den Broker angewiesen. Ist der Broker nicht ehrlich und nicht richtig reguliert, kann dies böse Folgen für den Trader haben.

Die Market Maker Problematik wird unter dem Begriff „Handeln mit zentralen Gegenparteien“ im Rahmen der novellierten MiFID II Richtlinie (die am 1.1.2018 in Kraft treten soll) auf europäischer Regulierungsebene debattiert.

Der Forex Handel ist auch ein Handel mit Finanzinstrumenten und daher Gegenstand der MiFID Richtlinie. Insbesondere fällt diese Form von Margin-Handel unter dem Begriff von „OTC Derivate“. Leider sieht die MiFiD II Richtlinie bisher keine Verpflichtung eines Handels mit „zentralen Gegenparteien“  für den Forex Handel vor.

Was geschieht mit Kundeneinlagen ?

Durch die Tradingsplattform, auf dem täglich Gewinne und Verluste verbucht werden, bekommt der Kunde den falschen Eindruck, eine Art Girokonto bei dem Broker zu führen.

Der Kunde wiegt sich in der Illusion, er könnte jederzeit seine Gelder abheben. Wie bei einer Bank. Leider ist der Broker keine Bank. Wenn der Kunde Geld bei einem Broker einzahl, landet das Geld auf dem Konto des Brokers.

Die Einzahlung wird zwar auf der Tradings-Plattform verbucht, jedoch handelt es sich um eine rein virtuelle Buchung. Nicht viel anders als eine Demo-Plattform.

Natürlich werden seriöse (und vor allem richtig regulierte) Broker das Tradingskonto tatsächlich wie eine Art Girokonto führen. Aber bei unvorhergesehenen Ereignissen (wie die Aufwertung des Schweizer Franken am 16.01.2015) kann der Kunde den Zugriff auf seine Gelder leicht verlieren.

Viele Forex Broker behaupten, dass Kundenkonten separat geführt werden (Segregation of Clients Funds). Dies muss aber nicht stimmen und wird nur von etablierten Regulerungsbehörden (wie der britischen FCA) tatsächlich geprüft.

In der Tat ist es bei Forex Broker übliche Praxis, Kundengelder in einem Topf mit den Firmengeldern zusammen zu führen. Diese Praxis wird kaum sanktioniert, vor allem in Ländern mit laxer Regulierung.

In den UK und in Australien sind Broker verpflichtet, ihre Bilanzen innerhalb bestimmter Fristen zu veröffentlichen. Spätestens mit der Vorlage der Bilanz ist dann ersichtlich, welchen Betrag an Kundengeldern der Broker tatsächlich hält.

In Zypern sind Broker zum Beispiel nicht verpflichtet, Bilanzen zu veröffentlichen. Dies öffnet dem Missbrauch Türe und Tore.

Was geschieht mi den Trades ?

Als Market Maker müsste sich theoretisch ein Forex Broker von dem Risiko schützen, dass alle Kunden Profit machen.  Für einen Market Maker führt nämlich jeder Gewinn zugunsten des Kunden zu einem Verlust zu Lasten des Brokers.

Daher müsste der Broker nach den Regeln eines ordentlichen Risikomanagements alle Kundenpositionen „hedgen“, d.h. zu jeder Kundenposition eine gegenteilige Brokerposition führen. In der Praxis tut dies kein Broker. Warum?

Erstens würde das Hedgen aller Kundenpositionen eine enorme Liquidität erfordern. Zweitens wird dies als nicht nötig betrachtet, weil 90 % der Trader Verluste erwirtschaften.

Letztere ist leider eine bittere Wahrheit. Die vorwiegend psychologischen Gründe der Verluste der meistern Trader habe ich hier beschrieben.

Aus diesem Grund hedgen Forex Broker nicht alle Kundenpositionen. Unseriöse Broker hedgen gar nichts, sondern nehmen die Gewinne aus den kundenseitigen Verlusttrades ein und zahlen die Verluste aus den kundenseitigen Gewinnen aus eigener Tasche. Solche Broker gehen große Risiken ein und können bei unvorhersehbaren Ereignissen leicht insolvent werden.

Seriöse Broker versuchen, zwischen profitablen Kunden und verlierenden Kunden zu unterscheiden und hedgen nur die Positionen von profitablen Kunden nach diesem Muster:

A-Kunden (= gewinnende Kunden): Gewinne werden durch Hedging kompensiert, so dass der Broker keine Verluste erleidet.

B-Kunden (= verlierende Kunden) : Verluste führen zu Gewinnen auf Brokerseite

Wie kann sich der Kunde schützen ?

Der einzige Schutz gegen diese Praktiken ist die Wahl eines Brokers, der einer seriösen Regulierung unterliegt. Eine seriöse Regulierung sieht vor, dass Bilanzen veröffentlicht werden und einsehbar sind. Hier ist es für Broker schwieriger, über Kundengelder frei zu verfügen.

Im Allgemeinen gelten die britische und die australische Regulierung als seriös.

Die deutsche Regulierung kommt bis jetzt nicht in Frage, da kaum ein Forex Broker in Deutschland reguliert ist. Diesbezügliche Angaben auf Webseiten oder durch Kundenberater sollte man kein Glauben schenken (falls Sie den BaFin Firmenregister nicht interpretieren können, rufen Sie am besten die BaFIN an und fragen Sie, ob der anvisierte Broker BaFiN reguliert ist).

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