Elliott Wellen vereinfacht (2)

Die Elliott-Wellen-Theorie ist ein hervorragendes Modell zur Beschreibung von  Marktbewegungen, weil sie auf der Psychologie der Märkte gründet. Und sie lässt sich nicht nur auf Aktien- und Devisenkursen anwenden, sondern auch auf sonstige Marktbewegungen.

Zum Beispiel kann der Marktabsturz von 2008 als Erste Welle einer Rezession interpretieren. Nach dem Absturz kam die Zweite Welle, die die Kurse bis zum Ursprungsniveau wieder ansteigen ließ. Sobald wir einen neuen Absturz erleben und die Kurse von 2008 unterschritten werden, wird dies die Dritte Welle sein.

Der Nachteil dieser Theorie ist ihre Komplexität. Es gibt so viele Wellenformationen, und diese Wellenformationen sehen je nach Zeiteinstellung anders aus. Das Ganze ist echt verwirrend.

Es lohnt sich natürlich, mit dieser Theorie eingehend zu beschäftigen und eine präzise Anwendung derselben zu versuchen. Dazu sehen Sie den empfohlenen Link unter „Charttechnik“.

Für diejenigen, die keine Zeit dafür haben, habe ich ein paar Faustregeln zusammengefasst

1.      Kurse bewegen sich in Wellen

Das ist natürlich banal, ist jedoch von vielen Markteilnehmern nicht verinnerlicht worden. Die Missachtung dieses Grundsatzes führt nämlich zu einem der häufigsten Fehler, dem sog. „Buy on Top“. Es war der Fehler, den die Markteilnehmer beim Börsencrash 2001 begangen hatten: Sie waren eingestiegen, als der Markt kurz vor dem Absturz stand. Sie hatten gedacht, dass die Kurse weiter ansteigen würden. Und die Kurse sanken.

Wenn Kurse bestimmte Niveaus nach oben erreichen (Widerstände), gibt es immer Markteilnehmer, die zum Verkauf bereit sind.
Wenn Kurse bestimmte Niveaus nach unten erreichen (Unterstützungen), gibt es immer Markteilnehmer, die zum Kauf bereit sind.

Deswegen bewegen sich Kurse meistens nach wellenförmigen Mustern. Sie steigen und sinken innerhalb von Kanälen, die durch Widerstände und Unterstützungen begrenzt sind.

Deswegen hat es meistens keinen Sinn, kurz vor Widerständen zu kaufen und kurz vor Unterstützungen zu verkaufen.

Nach einer Kursbewegung sollte man zuerst warten, dass sich die Gegenbewegung ausgebildet hat, und erst dann einsteigen.

Die Gegenbewegung nennt sich „Retracement“ und findet fast immer statt. Man muss die Geduld haben, darauf zu warten.

Das Wellenmuster kann lange dauern. Es wird erst gebrochen, wenn ein Widerstand bzw. eine Unterstützung über- bzw. unterschritten werden. Dabei ist zu beachten, dass ein einfacher Bruch meistens nicht reicht. Man muss auch hier erst auf das Retracement warten (bis zum Kurs, bei dem der Kanal gebrochen wurde), und erst einsteigen, wenn der Bruch bestätigt wird.

2.         Kursbewegungen sind entweder impulsiv oder korrektiv

Sie sollten zwischen Impulsivmustern von Korrektivmustern unterscheiden können.

Impulsivmuster haben ein höheres Momentum, sind von höheren Volumina begleitet und führen zum Bruch von Widerständen bzw. Unterstützungen. Sie sind schneller und heftiger und weisen eine klare Kursrichtung nach oben oder nach unten auf.
Auf Impulsivmuster sollte man warten. Sie bieten die besten Gewinnchancen.

Korrektivmuster bewegen sich in engeren Kursspannen. Die Kurse steigen bis zu einem bestimmten Niveau, dann fallen wieder, dann steigen wieder bis zum ursprünglichen Kursniveau wieder an usw. Dies kann ziemlich lange dauern. Der Markt zeigt dabei keine klare Richtung und befindet sich eher in Erwartungshaltung. Die Volumina sind meistens niedrig.

Korrektivmuster sind schwieriger zu traden, weil die Kursspannen  zu eng für die Spreads sind. Bei diesen Marktphasen ist es besser, nicht zu traden.

Vor allem sollte man das Positionstrading besser lassen. Bei Korrektivmustern führt Positionstrading meistens zu Verlusten (man wird ausgestoppt).

Ein Korrektivmuster ist zu Ende, wenn die Marktbewegung die ursprüngliche Richtung wieder aufnimmt und der Kanal, innerhalb sich die Kurse bewegt haben, endgültig gebrochen wird

3.      Auf die dritte Welle kommt es an

Manchmal bewegen sich die Märkte für längere Zeit in engen Spannen, ohne eine klare Richtung zu zeigen.
Dann folgt irgendwann eine heftige Kursbewegung, bei der meistens ein Widerstand oder eine Unterstützung gebrochen werden. Diese Bewegung nennt sich „Erste Welle“.

Diese Kursbewegung kommt jedoch irgendwann zum Ende. Dann setzt eine Gegenbewegung ein, die die Kurse bis zum Anfang der ersten Wellen zurückbringt. Diese Bewegung nennt sich Retracement oder „Zweite Welle“.

Nach der zweiten Welle kommt meistens ein Korrektivmuster, das sich in die Länge ziehen kann. Irgendwann nehmen jedoch die Kurse die Richtung der Ersten Welle wieder auf. Sobald der Höchst- bzw. Tiefstkurs der Erste Welle unterschritten wird, liegt eine Dritte Welle vor.

Dritte Wellen sind heftig (heftiger als Erste Wellen), sind von höherem Momentum und höheren Volumina gekennzeichnet. Es sind die idealen Wellen zum Traden.
Bei Dritten Wellen werden Unterstützungen oder Widerstände gebrochen.

Diese Markphasen sind geradezu ideal für Positionstrading. Man kann die Positionen lange halten, man wird nicht ausgestoppt.

Dritte Wellen gibt es leider nicht jeden Tag. Aber es lohnt sich, darauf zu warten.

Dieses Kapitel wird in nächster Zeit fortgesetzt.

Aber zunächst gilt die einfache Regel:

Nicht in die erste Welle einsteigen. Auf das Retracement warten.

In die dritte Welle einsteigen und halten.