Betrug mit Forex und Binären Optionen : TV Bericht aus Frankreich

Französische Behörden und französische Presse sind z.Z.  die Speerspitze des Verbraucherschutzes gegen betrügerische Investmentfirmen im Bereich Forex und Binäre Optionen.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFIN ist  hingegen untätig. Mit dem Argument der Verschwiegenheitspflicht werden gar keine Warnungen an Investoren ausgegeben.

In Frankreich können sich betrogene Anleger an ein Nottelefon wenden. Die französische Schlichtungsstelle greift auch bei Streitigkeiten mit ausländischen Firmen ein.

Die Franzosen haben sogar einen Gesetzesentwurf für einen Werbeverbot für Anbieter von Forex und Binären Optionen vorgelegt. In letzter Zeit setzen solche Firmen verstärkt auf Werbung durch Sponsoring von bekannten Fußballclubs.

In diesem TV-Bericht aus Frankreich geht es um betrügerische Investmentfirmen aus Israel, die sich in Zypern niedergelassen haben, um europaweit tätig zu sein, ohne eine Verfolgung durch europäische Behörden befürchten zu müssen (Regulierungslücke) . Ab Minute 22 wird auch über die Untätigkeit der zyprischen Regulierungsbehörde CySEC berichtet.

 

Über dieses Thema ist ein interessanter Artikel in „The Times of Israel“ erschienen.

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IronFx : die Folgen einer Regulierungslücke in Europa

Durch den Fall IronFx hat sich eine riesige Regulierungslücke in Europa offenbart.

Was ist passiert? Eine Investmentfirma mit Sitz in Zypern weigert sich seit über 1 Jahr, einen hohen Betrag an Kundengeldern auszuzahlen und nichts passiert. Europäische Behörden schreiten nicht ein.

Diese Investmentfirma heißt IronFx Global Ltd. , wurde 2010 von dem CEO Markos A. Kashiouris mit einem Grundkapital von ca. 2.690.000 € gegründet und hat ihren Sitz in Limassol, Zypern. Obwohl die Firma angibt, zahlreiche Niederlassungen in der ganzen Welt zu haben, werden alle Kunden von Zypern aus betreut. In den letzten Jahren konnte die Firma eine große Anzahl von Kunden aus Asien und Europa gewinnen.

IronFx bietet hauptsächlich Devisenhandel für Retailkunden an. Solche Anbieter nennen sich „Forex Broker“. Dieser als „Forex Trading“ bekannte Anlageform für kurzfristig orientierte Anleger („Trader“) hat in den letzten Jahren viele Anhänger in Deutschland und in der ganzen Welt gefunden. Dabei handelt es sich um eine Variante des Marginhandels, wie er auch mit Zertifikaten oder CFD’s praktiziert wird.

Durch Forex Trading ist es möglich, mit einem geringen Kapital erhebliche Gewinne zu erzielen. Dies in der Theorie. In der Praxis machen ca. 90 % der Anleger Verluste.

Dadurch lässt sich das Geschäftsmodell verwirklichen, das die „ehrlichen“ Forex Broker verfolgen. Anders als beim Aktienhandel, spielt sich nämlich der Devisenhandel nicht auf zentralen Handelsplätzen. Beim Devisenhandel stellt der Forex Broker  als „Market Maker“ die Kurse selbst zur Verfügung (siehe Beitrag). Macht der Kunde Verluste, verdient der Broker. Macht der Kunde Gewinne, muss der Broker aus eigener Tasche zahlen. Da jedoch weniger als 10 % der Trader Gewinne erwirtschaften, ist dies ein profitables Geschäftsmodell.

China war der Markt, auf dem IronFx zuerst und sehr stark expandiert hat. Und in China haben die Probleme mit den Auszahlungen schon 2014 angefangen. Die Situation hat eskaliert. Anfangs 2015 haben 160 chinesische Kunden vor einem Gericht in Zypern geklagt.

Aus den Bilanzdaten 2014 ist ersichtlich, dass der Cash Flow der Firma zum Dezember 2014 eher niedrig war. Seit Januar 2015 haben sich die Probleme mit der Auszahlung von Kundengeldern auf weitere Kunden und weitere Länder ausgeweitet. Uns erreichen Nachrichten von Kunden aus der ganzen Welt, die keine Auszahlungen aus ihren IronFx Konten bekommen. Besonders betroffen scheinen Italien, Ungarn, Rumänien, Polen, Vietnam, Türkei zu sein. Auch deutsche Kunden sind betroffen.

Um die Auszahlung zu verweigern, beruft sich IronFx auf eine angebliche Vertragsverletung durch den Kunden. Vielen Kunden, die 2015 eine Auszahlung beantragt hatten, wurde nach kurzer Zeit in einem Standardbrief Folgendes mitgeteilt: „Your account is under investigation for potential irregular trading activities“. Dem Kunden wurde vorgeworfen, Transaktionen getätigt zu haben, die er laut Vertrag nicht hätte tätigen dürfen.

Merkwürdigerweise wurde dieses Schreiben an eine große Anzahl von Kunden verschickt, die Gewinne erwirtschaftet und anschließend eine Auszahlung beantragt hatten.

Mittlerweile ist der Gruppe IronFx clients ein Dokument zugespielt worden, in dem das Verfahren beschrieben wird, mit dem profitable Kunden auf Vertragsverletzung geprüft werden. Aus diesem brisanten Dokument ergibt sich, dass die Prüfung nur mittels elektronischer Raster erfolgt, die so grob sind, dass alle profitable Kunden erfasst werden können.

Uns sind ca. 200 Kunden bekannt, die seit 1 bis 13 Monaten auf die Auszahlung durch IronFx warten. Wie kann so was in einem Rechtsstaat funktionieren? Stellen Sie sich vor, Ihre Bank würde Ihnen das Geldabheben verbieten. Weder Regulierungsbehörden noch die Staatsanwaltschaft würden so was durchgehen lassen.

Jedoch haben gegen IronFx weder Regulierungsbehörden noch sonstige Behörden  bis jetzt wirksame Maßnahmen getroffen.

Schuld daran ist eine echte Regulierungslücke, die durch die Bestimmungen der MiFID Richtlinie in Europa entstanden ist.

Um ein reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes zu gewährleisten, hat man nämlich in der MiFID Richtlinie bestimmt, dass eine Investmentfirma, die in irgeneinem Mitgliedstaat reguliert ist, in der ganzen EU ohne Einschränkungen ihre Geschäftstätigkeit ausüben darf.

Dabei unterliegt eine solche Investmentfirma ausschließlich der Aufsicht des Heimatlandes. Das Heimatsland ist auch für alle Streitigkeiten zwischen der Invstmentfirma und Kunden aus ganz Europa zuständig.

Dank dieser Bestimmung kann jede Investmentfirma, die den strengen Regulierungsvorschriften von größeren Mitgliedstaaten nicht erfüllen kann oder will, ihren Sitz in einen Mitgliedstaat mit laxer Regulierung bzw. laxer Aufsicht verlegen. Beispiele für solche Länder sind Zypern oder Malta.

IronFx hat ihren Sitz in Zypern. Und Zypern hat sich in den letzten Jahren zu einer richtigen „Regulierungsoase“ entwickelt.

IronFx unterliegt in Zypern der Regulierung durch die CySEC (Cyprus Securities and Exchange Commission). Die CySEC wurde im Jahr 2004 zur Kontrolle der Nationalbank und des Finanzsystems in Zypern auf Veranlassung der EZB gegründet. Die CySEC beschäftigt ca. 30 Mitarbeiter (zum Vergleicht hat die BaFin ca. 2000 Mitarbeiter).

Die Aufsicht durch die CySEC ist wirklich lax. Die hier eingetragenen Investmentfirmen sind nicht einmal verpflichtet, Bilanzen zu veröffentlichen. Der Fall IronFx hat gezeigt, dass die zyprische Regulierung völlig unzureichend ist.

Man schätzt, dass unzählige Beschwerden gegen IronFx an die CySEC seit Januar 2015 gerichtet wurden. Monatelang hat die CySEC auf diese Beschwerden gar nicht reagiert. Erst am 6. August hat die CySEC  bekannt gegeben, dass eine Untersuchung eingeleitet wurde.

Am 27.11. wurden die Ergebnisse der Untersuchung bekanntgegeben. IronFx musste eine Strafe von  € 335.000 zahlen.  Durch diese Strafe wurde festgestellt, dass IronFx möglicherweise gesetzeswidrig gehandelt hat. Aber die konkreten Gründe für die Strafe und die Erkenntnisse aus der Untersuchung wurden nicht offengelegt. Mit dem Argument der Verschwiegenheitspflicht weigern sich Behörden, Kunden über die Mißstände zu informieren.

Die Entschädigung der Kunden wurde ebenfalls nicht eingeleitet. Der Kunde, der seine zivilrechtlichen Ansprüche vor Gericht durchsetzen will, muss sich in Zypern anwaltlich vertreten lassen. Diesen Aufwand scheuen die meisten Kleinanleger.  Gerade aus diesem Grund sehen Europäische Bestimmungen vor, dass jeder Mitgliedstaat eine Schlichtungsstelle zur außergerichtlichen Lösung von Streitigkeiten einrichtet. Eine solche Schlichtungsstelle war in Zypern bis Oktober 2015 gar nicht operativ (siehe Beitrag.). Der zyprischen Schlichtungsstelle liegen nunmehr hunderte von IronFx Streitigkeiten vor. Aber keine einzige Entscheidung wurde bis jetzt verkündet.

Kunden, die Beschwerde bei den Regulierungsbehörden des Gastlandes eingelegt haben, wurden ausnahmslos mit einem Antwortschreiben abgespeist, in dem die Regulierungsbehörde des Gastlandes erklärt, dass für IronFx nur die CySEC in Zypern zuständig ist.  Solche Antwortschreiben werden auch von der BaFIN verschickt.

Was soll aber der geschädigte Kunde tun, wenn die Regulierungsbehörde in Zypern keine Maßnahmen trifft? Wenn die Schlichtungsstelle die Fälle gar nicht bearbeitet?

Sollen Kunden die Zeche für strukturschwache Länder zahlen?

In Europa hat sich eine riesige Regulierungslücke aufgetan. Eine Regulierungslücke, in der Kundengelder verschwinden.

 

 

 

© Patrizia Vigiani Kampka. Alle Rechte vorbehalten

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Zypern : eine Regulierungsoase mitten in Europa

Zypern hat sich in den letzten Jahren zum bevorzugten Sitz vieler Anbieter vor Finanzdienstleistungen entwickelt, vorwiegend im Bereich Forex und Binäre Optionen.

Unter diesen Anbietern, die europaweit tätig sind, zählen dubiöse Akteure, die neulich Gegenstand einer Warnung durch die französischen Regulierungsbehörde geworden sind.  Bei diesen dubiösen Anbietern ist es zu Vorfällen gekommen, die den Begriff „Finanzpiraterie“ rechtfertigen.

Schuld daran ist eine echte Regulierungslücke, die durch die Bestimmungen der MiFID Richtlinie in Europa entstanden ist. Um ein reibungslose Funktionieren des Binnenmarktes zu gewährleisten, hat man nämlich in der MiFID Richtlinie bestimmt, dass eine Investmentfirma, die in irgeneinem Mitgliedstaat reguliert ist, in der ganzen EU ohne Einschränkungen ihre Geschäftstätigkeit ausüben darf.

Nach dieser Regelung unterliegt eine Investmentfirma ausschließlich der Aufsicht des Heimatslandes. Diese ist auch für alle Streitigkeiten zwischen der Investmentfirma und Kunden aus ganz Europa zuständig. Funktioniert die Aufsicht des Heimatslandes nicht, bleiben Gesetzesverstösse durch Investmentfirmen unbestraft.

So kann jede Investmentfirma, die den strengen Regulierungsvorschriften von größeren Mitgliedstaaten nicht erfüllen kann oder will, ihren Sitz in einen Mitgliedstaat mit laxer Regulierung bzw. laxer Aufsicht verlegen.

Das beste Beispiel für ein EU-Land mit laxer Aufsicht ist Zypern.

Trotz der 10-Miliarden-Hilfe von 2013 durch die Troika,  die unter der Bedingung der Stabilisierung des Finanzsystems gewährt wurde, beherbergt Zypern 213 Investmentfirmen und ist dabei, weitere Lizenzen zu vergeben.

Die Aufsicht über eine so große Anzahl von Investmentfirmen obliegt der Regulierungsbehörde CySEC, die über ca. 50 Mitarbeiter verfügt. Viel zu wenig, um eine effektive Aufsicht auszuüben. Im Vergleich verfügt die deutsche BaFin über ca. 2000 Mitarbeiter. Der Vorstand der CySEC besteht aus 5 Mitgliedern. Es ist nicht klar, ob diese Behörde wirklich unabhängig ist.

Möglicherweise hat das Land gar kein Interesse an einer strengen Aufsicht. Die laxe Regulierung macht gerade das Land für Anbieter attraktiv, die die strengen Regeln von größeren Mitgliedstaaten umgehen möchten.

In Zypern sind z.B. die Kapitalanforderungen zur Gründung und Aufrechterhaltung einer Investmentfirma niedrig.

In Zypern müssen Bilanzen nicht veröffentlich werden. Wenn man bedenkt, dass jede kleine GmbH in Deutschland verpflichtet ist, den Jahresabschluss in dem Bundesanzeiger offenzulegen, ist diese zyprische Besonderheit geradezu skandalös.

Ferner hält sich Zypern an wichtigen europäischen Bestimmungen nicht, die dem Investorenschutz dienen.

Laut MiFID Richtlinie ist jeder Mitdgliedstaat verfpflichtet, einen Einlagensicherungsfonds zu unterhalten. Aber der zyprische Einlagensicherungsfonds für Investmentfirmen ist unterkapitalisiert und wurde noch nie angezapft. Möglicherweise besteht er nur auf dem Papier.

Eine weitere missachtete Bestimmung betrifft die Schlichtungsstelle, die Verbrauchern ermöglichen soll, Streitigkeiten mit Investmentfirmen auf günstigere und schnelllere Weise beizulegen. Die zyprische Schlichtungsstelle wurde erst im Oktober 2015 operativ und hat noch keinen Fall bearbeitet.

Dadurch erweist sich Zypern als richtige Regulierungsoase, die zur Zeit munter weitere Lizenzen an Investmentfirmen vergibt.

Diese Regulierungsoase eine Gefahr für Investoren aus ganz Europa dar. In der Tat sind zur Zeit viele Investoren aus Europa Opfer von Betrügereien durch Investmentfirmen aus Zypern., wie dieser TV-Bericht aus Frankreich zeigt.

Hier ein weiterer interessanter Artikel zu dem Thema.

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